Konzeption einer alkoholfreien Cocktailbar
für den Landkreis Main-Spessart

Ausgangssituation

Der übermäßige Alkoholkonsum von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist zunehmend ein Problem, das auch in Main-Spessart zu beobachten ist. Plakate und Flyer mit der Aufschrift „Happy Hour“, „Knallermann“ und „Ibiza-Partys“ für Veranstaltungen, die sich speziell an die jüngere Zielgruppe wenden, verharmlosen den Konsum von alkoholischen Getränken und stellen diesen in den Mittelpunkt. Kinder und Jugendliche unterschätzen die Wirkung von Alkohol. Die Grenze zwischen Genuss und Alkoholmissbrauch ist schnell überschritten. Denn Jugendliche nehmen Alkohol nicht als Droge wahr. Sie kommen immer früher mit Alkohol in Kontakt. Die Zahl derer, die wegen Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kamen stieg in den letzten Jahren stark an. Deutschlandweit werden jährlich rund 20.000 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 20 Jahren aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs stationär im Krankenhaus behandelt. In Main-Spessart stieg die Zahl der jugendlichen Komatrinker zwischen 2000 und 2009 von 17 auf 38 laut Pressebericht der Techn. Krankenkasse (Main-Post vom 14.07.2011).

Alkoholische Getränke sind heute fester Bestandteil unserer Alltagskultur und werden zu vielerlei Anlässen konsumiert, oft auch im Rahmen von Partys, Festen und Veranstaltungen, bei denen die Veranstalter ohne Einhaltung des Jugendschutzgesetztes minderjährigen Jugendlichen alkoholische Getränke ausschenken, um z.B. auf ihre „Betriebskosten“ zu kommen. Auch Eltern sind demzufolge toleranter im Umgang mit alkoholisierten Kindern, es wird sogar Alkohol für die „Sprösslinge“ gekauft und mitgegeben, z.B. bei Geburtstagsfeiern.

Auch der Landkreis Main-Spessart ist geprägt von Festen und Feierlichkeiten, die über das Jahr verteilt von Gemeinden und einer Vielzahl von Vereinen veranstaltet und durchgeführt werden. Hier sieht der Kreisjugendring Main-Spessart eine Möglichkeit über die Gefahren mit dem Umgang und den missbräuchlichen Konsum von Alkohol durch Sensibilisierung und Aufklärung bei den Veranstaltern und Jugendlichen anzusetzen. Gehen die Erwachsenen maßvoll und verantwortungsbewusst mit Alkohol um, kann sich das auch positiv auf die Jugendlichen auswirken. Daraus entstand das Projekt „Mobile Alkoholfreie Cocktailbar“.

Ziel

Mit einer mobilen alkoholfreien Cocktailbar haben wir uns zur Aufgabe gemacht, die Einhaltung des Jugendschutzgesetztes und den Umgang mit Alkohol bei den Veranstaltungen und bei den Verantwortlichen in den Focus zu rücken. Zielgruppe sind vorrangig 12 – 18-jährige Kinder, Jugendliche und Eltern. Mit der mobilen alkoholfreien Cocktailbar zum Verleihen wollen wir den Veranstaltern von Festen und Feiern eine kostengünstige und praktische Hilfestellung bieten, um bei ihren Veranstaltungen den Jugendlichen in ansprechender Form Alternativen zu alkoholischen Getränken anzubieten. Nicht nur durch den Verkauf von alkoholfreien Getränken, sondern auch durch das Angebot von frisch gemixten, kostengünstigen, geschmacklich und optisch ansprechenden alkoholfreien Getränken sollen die Jugendlichen dazu animiert werden, weniger zu trinken und ihr Trinkverhalten im Lauf der Zeit positiv zu ändern. Mit einer professionell designten mobilen Cocktailbar wollen wir den Marketingkampagnen der Spirituosenhersteller entgegenwirken. So ergibt sich die Gelegenheit für niedrigschwellige zielorientierte Gespräche mit Kindern, Jugendlichen und Eltern. Durch gezielte Informationsveranstaltungen und entsprechende Broschüren wollen wir wichtige Informationen zum Thema Alkohol und Jugendschutz, sowie Tipps zur Organisation von Veranstaltungen unter Einhaltung des Jugendschutzgesetztes vermitteln. Die mobile alkoholfreie Cocktailbar soll dabei helfen, in der breiten Bevölkerung wieder ein Bewusstsein zu schaffen, dass es nicht normal ist, dass Kinder und Jugendliche regelmäßig Alkohol trinken.

Bisherige Erfahrungen

Erste positive Erfahrungen im Umgang mit einer alkoholfreien Cocktailbar wurden bereits im Oktober 2011 bei den Gesundheitstagen in Gemünden gemacht. Der Kreisjugendring Main-Spessart beteiligte sich mit einem improvisierten Cocktail-Stand. Der kam so gut an, dass von 10 – 17 Uhr schätzungsweise 300 – 400 Besucher das Angebot der Cocktails nutzten. Der Erlös kam der Jugendstiftung Main-Spessart zugute.

In der Herbstvollversammlung am 15. Nov. 2011 boten wir den Delegierten frisch gemixte, und wohlschmeckende Cocktails an und stellten die Idee eine mobile alkoholfreie Cocktailbar zum Verleih an die Vereine vor. Die alkoholfreien Cocktails und die Idee fand große Zustimmung und Interesse, so dass es bereits Nachfragen für gewünschte Einsätze gibt, obwohl die alkoholfreie Cocktailbar noch nicht in Betrieb ist.

Beschreibung – Ausstattung

Nach unseren Recherchen dienen bisherige Saftmobile lediglich dem Angebot von alkoholfreien Getränken, in der Regel Säfte. Weder ein optischer noch ein emotionaler Impuls fehlt, gegenüber dem Reiz von alkoholischen Getränken.

Die hohen Anforderungen an eine mobile alkoholfreie Cocktailbar, wie Mobilität, schneller Aufbau, robuste Ausführung und die erforderlichen Hygienevorschriften müssen berücksichtigt werden. Das alles kostet seinen Preis. Zum Beispiel müssen die geltenden Vorschriften, welche in der Gastronomie für solche mobilen Einheiten erforderlich sind, berücksichtigt werden. Beraten wurden wir freundlicherweise von der Abteilung Lebensmittelüberwachung im Landratsamt Main-Spessart. Auch informierten wir uns bei anderen Jugendringen und kommunalen Einrichtungen, die bereits jahrelange Erfahrung mit dem Einsatz von mobilen Frucht- und Saftmobilen haben.

Wichtig ist dem Kreisjugendring auch eine ganzjährige Nutzung und nicht nur in der Feste-Saison von Mai bis September. Ebenfalls ist eine Nutzung im Innenbereich als auch im Freien vorgesehen. Die ganze Ausrüstung soll schnell aufgebaut sein und in einem speziellen Pkw-Anhänger Platz finden. Für Lager- und Stauraum kann der Anhänger genutzt werden. Die alkoholfreie Cocktailbar soll mit einem zusammenlegbaren Thekensystem mit Spülbecken und mit Handwaschbecken mit Durchlauferhitzer einem sog. Hygienemodul und einer Gläserspülmaschine (lt. Hygieneverordnung der Lebensmittelüberwachung) für die Cocktailgläser ausgestattet werden. Als Wetterschutz für den Außeneinsatz ist ein klappbares und schnell aufbaufähiges Faltzelt vorgesehen. Die alkoholfreie Cocktailbar wird mit gut sortiertem Zubehör für den Hobby- und Freizeitbarmixer ausgestattet. Das Sortiment umfasst verschiedene Mixutensilien, Shaker, Messbecher, Krüge, Messer, Schneidbretter, Schüsseln, Kleinteilen für den Barbetrieb, sowie einen Eiscrusher und Fruchtmixer. Um die Attraktivität der alkoholfreien Cocktailbar für die Veranstalter und Besucher von Veranstaltungen zu steigern werden der Anhänger und das Thekenmodul mit Hilfe eines Grafik-Büros professionell gestaltet. Denn ansprechende bunte Gestaltung schafft Aufmerksamkeit. Weiter werden Flyer und weitere Informationsmaterialien z.B. Rezepthefte zum Mitnehmen und ausprobieren für zuhause, erarbeitet und ausgelegt bzw. verteilt.

Die alkoholfreie Cocktailbar soll von allen Gemeinden, Vereinen, Verbänden, Jugendgruppen, Jugendtreffs, Schulen, Kindergärten und sonstigen Institutionen im Landkreis Main-Spessart gebucht werden, die bei ihren Festen und Feiern attraktive, wohlschmeckende und preiswerte Alternativen zum Alkohol bieten möchten. Der Verleih wird kostengünstig über die Geschäftsstelle des Kreisjugendrings Main-Spessart abgewickelt. Es ist ein unkomplizierter flexibler Einsatz angedacht. Wichtig ist uns auch, das Thekenpersonal in speziellen „Cocktail-Mix-Kursen“ zu schulen. Ergänzt durch Informationen zu Alkohol und Jugendschutz, sowie über die Hygieneverordnung bei Festen und Veranstaltungen.

Namensfindung

Während der MSP-EXPO 2012 wurde ein Namenswettbewerb durchgeführt. Aus über 100 abgegebenen Vorschlägen wurde die „mocktail-oase“ ins Leben gerufen.

Finanzierung

Die Kosten für die gesamte alkoholfreie Cocktailbar belaufen sich auf rund 30.000,- €uro. Der Kreisjugendring Main-Spessart hat für die Finanzierung der alkoholfreien Cocktailbar 24.000,00 €uro in den Haushalt 2012 eingeplant. Hinzu kommt eine Förderung von der Sparkasse Mainfranken über 6.000,00 €uro.